“Das Leben ist eins der schwersten”

Posted on Mai 26th, 2009 by Chlorine.
Categories: D'OH!.

Der Tag fängt schon vielversprechend an, als mir nach ein paar Umdrehungen die elektrische Zahnbürste im Mund verreckt. Mal wieder nicht ans Netz gesteckt…typisch. Dann zur Steinzeitvariante gegriffen und ab aufs Rad. Natürlich fahre ich mitten in den schönsten Regenschauer hinein, ist klar. Viele andere halten an und stellen sich - auf Wetterbesserung wartend - irgendwo unter, doch das kommt für mich aus Termingründen nicht in Frage. In der Behörde dann schnell aufs Örtchen für den Spiegelcheck. “Das Ding, das aus der Waschanlage kam” wäre ein passender Filmtitel für das unheilvolle Geschöpf, das mir da aus dem Spiegel entgegenzwinkert. Doch es hilft nichts, ich muss ja weiter. Die Sekunde für das Foto der gediegenen WC-Lektüre jedoch nehme ich mir keck vom Zeitkonto.

In der Drogerie dann das Unmögliche. Irgendetwas stimmt mit meiner Geldkarte nicht und da fällt mir peinlich berührt auch wieder ein, was ich noch erledigen wollte: Geld kaufen.1

Irgendwie schaffe ich es, den Ort des Geschehens mit zwei Tüten (oder sind es gar Beutel?) zu verlassen. Werde von einem von zwei Herren ausgebremst, strecke ihm meine linke Hand entgegen, ergreife den dämlichen, mir offerierten Zettel, werde gefragt, ob ich junge Dame heute noch shoppen gehen wolle und denke mir noch “Ha, wenn du Vogel wüsstest…!”, sage aber “Nein, denke nicht.”, beschleunige meinen Gang bis zum Rad und werfe einen Blick auf die eben erhaltene ominöse Ereigniskarte…

Zwölf Wörter und nur ein Fehler - alle Achtung! Eine Überraschung, die von vier Punkten eingeleitet wird, macht mir Angst und generell (und überhaupt!) möchte ich als Frau angesprochen werden und nicht umgekehrt.

Weiter geht es Richtung Lebensmittelmarkt, in dem ich jeden müden €uro umdrehe und den Kopfrechner zum Glühen bringe, um an der Kasse nicht erneut dumm aus der Wäsche zu blicken.

Nun mit drei Beuteln bewaffnet, besteige ich mein Rad, um den Heimweg anzutreten. Da morgen ein gemeinschaftliches Grillen wahrscheinlich ist, befindet sich eine Colaflasche unten in der Tüte liegend, die am linken Fahrradlenker baumelt. Beim Ausparken verfängt sich die Cola-Tüten-Ecke im Vorderrad, ich denke mir nicht viel dabei, bin vielleicht grob bei dessen Entfernung (so genau weiß ich das nicht mehr…der Schock, ihr wisst schon!) und dann höre ich nur noch ein

Nein, das kam nicht aus Nordkorea, sondern aus meiner Tüte.
Noch nicht wirklich verstehend, was passiert ist, schiebe ich das Rad ein paar Schritte, werde dann aber durch den Sturzbach an Zuckerwasser doch etwas “unruhig”. Zuschauer habe ich natürlich auch. Sieht ja auch reichlich spannend aus, was ich da hinter mir her ziehe. Ich versuche krampfhaft, die explodierte Colaflasche aus der Tüte zu bekommen, doch darüber liegt ein Berg anderer Lebensmittel. Als ich dies endlich geschafft habe, ist das Ding so gut wie leer. Ich kann keinen Mülleimer sehen, was ja immer der Fall ist, wenn man ihn wirklich benötigt, und stecke das klebrige Teil - auch im Hinblick auf unser betörendes Pfandsystem - wieder zurück in die ohnehin besudelte Tüte.

Als ich mich völlig fertig aufs Rad schwingen will, stelle ich fest, dass die anderen beiden Tüten, das Rad, meine Hose und Schuhe ebenfalls mit Zuckerwasser bekleistert sind. Muss ich hier eigentlich noch erwähnen, dass meine Klamotten vom morgendlichen Regenguss und sommerlich schweißtreibenden 34°C noch herrlich klamm sind?

  1. An dieser Stelle herzlichen Dank an Kristian M. für das Foto []

10 comments.

Rufus

Comment on Mai 26th, 2009.

Das werde ich jetzt bei mir aufnehmen: “Bitte sprecht mich an, ich reagiere sicher … Heirat nicht ausgeschlossen” ;)

Uwe (Sir Cheat Alot)

Comment on Mai 26th, 2009.

Maam, Ihr Schwierigkeitsgrad sollte angepasst werden. Ansonsten tippen Sie mal “give all” in die Konsole ein und bestätigen mit Enter(n).
Ferner empfehle ich zur allgemeinen Erheiterung ein Liedchen. Sowas wie “In der Geld-Bäckerei..gibt es manch Manager-Ei”.
Auch sollte die Frage geklärt werden, ob sich “Das Ding, das aus der Waschanlage kam” als Neuinterpretation vom Ding aus einer anderen Welt verstehen möchte oder eine Retro-Auflage des Spions aus der Kälte sein will - völlig unterschiedliche Lizenz-Streite könnte man da vom Zaun brechen! Was wiederum zur Geldbäckerei führen würde. Kontinuität ist alles!

Achja. 4 Punkte sind… ja.. sind… irgendwie…. also……. mir sind diese Menschen, die zwischen 2,3,4,5 und mehr Punkten in einem Satz variieren ja unheimlich. Wirklich.. irgendwie… ist……. das.. nicht.. so…. transparent. Erinnert viel zu stark an die “nasty surprise” auf den Einladungen, die Mr. Burns immer verschickt.

steven

Comment on Mai 27th, 2009.

Erst dachte ich ja, es ist einer dieser Tage an dem alles schief geht aber dann im letzten Satz: sommerlich und 34°C - was für ein toller Tag es doch gewesen sein muss!

juliaL49

Comment on Mai 27th, 2009.

ah, so schöne Tage kenne ich auch :) Aber in den Zeiten des Web 2.0 hat man immerhin ein Ventil und die Möglichkeit, mitfühlsame Kommentare zu erheischen :)
Mein tiefstes Mitgefühl hast du und auch wenn es nichts nützt, schicke ich dennoch positive Gedanken!

crucible

Comment on Mai 27th, 2009.

Sorry für die direkten Worte, aber:

Kein Schwanz ist so hart wie das Leben (sorry!)

Karkar

Comment on Mai 27th, 2009.

Scheiß Tach und schöner Beitrag! - Der perfekte Ausgleich! - Könnte doch immer so sein, hmm? :)

Schni-schna-schnäppchen « daRONNs ||| ostBLOG

Pingback on Mai 28th, 2009.

[...] sonst noch jemand Geld von mir? Und wie teuer sind 1.500€ eigentlich sonst so, wenn sie nicht gratis [...]

Chlorine

Comment on Mai 29th, 2009.

@Rufus:
Sind die ersten T-Shirts schon im Druck? ;)
@Uwe:
Hau, der Cheatcode-Meister hat gesprochen. ;) Kontinuität also als Schlüssel zum Sparstrumpf der Anderen. *Notiz*
Hätte ein “nasty surprise” auf der Ereigniskarte gestanden, wäre ich auf jeden Fall auf der Hacke umgedreht und der Sache nachgegangen. :)
@Steven:
Da bettelt wohl jemand um eine “nasty surprise”-Karte… ;)
@Julia:
Die Ventilfunktion ist keineswegs zu unterschätzen. Ebenso sieht es mit virtuellem Mitgefühl aus. Danke und immer wieder gern! :)
@crucible:
Live, direkt und nicht mal im Spamfilter gelandet!

@Karkar:
Eine “nasty surprise”-Karte geht ebenfalls an dich. :P

..der mit dem Server tanzt (heute mal Full Duplex)

Comment on Mai 29th, 2009.

….och nöööö! Bin schon wieder der Letzte! Das ist doch das Letzte! Wenngleich ich der Schnellste sein sollte. Nur scheine ich der Langsamste zu sein…, wie verwirrend!

Ja, das Leben ist eines der schwersten! Das hat mich nachdenklich gemacht! Ich wollte den Dalai Lama anrufen, und fragen, ob das für alle Leben gilt, aber ich konnte ja -dem Provider sei Dank- nicht telefonieren! So bleiben mir wieder nur Vermutungen und unbelegbare Hinweise…. Aber komme ich doch zum Thema!

Leben. Hab doch gleich mal Goggle bemüht und anläßlich von ca. 110 Millionen Treffen gleich mein Lieblingshandtuch geworfen. Aber was befand doch hier gleich der elektronische Hort des Wissens? “…Leben ist die charakteristische, aber schwer zu definierende Eigenschaft…” -ahhhh ja…, so ist das also. Was sagt uns das? Nix! Gar nix! Schwer zu definieren, also “unscharf”! Sauerei! Das kommt einem Haftungsausschluß des Herstellers gleich! “…die Anwendung des Produktes erfolgt auf eigene Gefahr!”, oder wie soll ich das deuten? Folglich hat keiner Anspruch auf Entschädigung, wenn an Tagen -wie hier so wunderbar dokumentiert- alles schiefläuft!? Sammelklage also ausgeschlossen? Deprimierend….

Chlorine

Comment on Mai 31st, 2009.

@Kristian:
Ich schätze, nachdem wir nächsten Sonntag JA zu Europa und der Kommune gesagt haben, wird alles schlagartig besser werden. Du wirst nie mehr ohne die Möglichkeit des Telefonierens leben müssen oder (vermeintlich) zu spät kommen und ich… nie wieder schief laufen. ;)

Willst auch du ein klein wenig unsterblich werden? Dann verewige dich hier mit einem Kommentar :)

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