Max Goldt friert und liest alte und neue Texte

Posted on November 21st, 2010 by Chlorine.
Categories: Lesen!.

In Magdeburg ists kalt geworden und so saß Max Goldt beim gestrigen Leseabend leicht fröstelnd und mit einem Schal bewaffnet im Magdeburger Moritzhof und wir sahen ihm von der dritten Reihe aus dabei zu. “Gattin aus Holzabfällen” steht zwar auf den Tickets, doch um sein neues (Bilder-)Buch in angemessener Weise vorzustellen, hätte es einer Powerpoint-Präsentation bedurft. Stattdessen lauschten wir andächtig des Meisters Mischung aus altem und neuem Material, das vor elegantem Wortwitz und satirisch feinsinnigen Betrachtungen der lebenden Kaste nur so strotzte.

Ein perfekter Abend hätte es werden können, wären da nicht die zahlreichen Damen mittleren Alters gewesen, welche es offenbar für schick und selbstverständlich hielten, sich vor und während der Goldt’schen Lesung, einem hochkulturellen Abend also, mit dem ein oder anderen Weinchen zu betrinken, was zu unkontrolliertem Gelächter und Applaus an den falschen Stellen führte und uns gemäßigten Zuhörern reihenweise die Schamesröte ins Gesicht trieb. Wie einige Male zuvor gedachte ich meinem alten Physiklehrer, welcher seiner Zeit die aufgebrachte Schülerschar kühl aufforderte, doch bitte die Amplituden ihrer Stimmen zu senken. Was wohl aus ihm geworden ist…?

Doch der Peinlichkeit nicht genug: Die verantwortlichen Kräfte hatten versäumt, dem Künstler im Anschluss an die Lesung Raum für das geplante Signieren von Brüsten Büchern bereitzustellen, weshalb sich dieser notgedrungen an eine Seite des Büchertisches im Gang quetschte und es mit einem sanften Lächeln professionell ertrug.

Bleibt zu hoffen, dass wenigstens seine Fotos von Magdeburg gut geworden sind…

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Endlich wieder Handtuch-Wetter!

Posted on Mai 25th, 2010 by Chlorine.
Categories: Leben und sterben lassen, Lesen!.

Wie schön, dass es einen Tag im Jahr gibt, an dem man nicht erst mittels hochmathematischer Formeln berechnen muss, welches Kleidungsstück man anziehen soll.

In diesem Sinne: besinnlichen Handtuch-Tag!

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John Ajvide Lindqvist: Låt den rätte komma in/Let The Right One In/So Finster Die Nacht

Posted on Juli 17th, 2009 by Chlorine.
Categories: Lesen!.

“MEIN LEBEN HEISST JETZT GEHEN, MEIN BLEIBEN TOD”

Zunächst sei erwähnt, dass ich zuerst die Verfilmung des Buches gesehen habe1 und daraufhin Lust bekam, den Roman zu lesen.
Der Film (viel Drama, wenig Horror) begeisterte auf ganzer Linie und hinterließ nach dem Abspann ein nachdenkliches Schweigen in rotweingeschwängerter Heimkinoluft. So rund “So Finster Die Nacht” auch ist, so viele Fragen bleiben dennoch. Wissenslücken, die der Roman vielerorts zu klären vermag, um dann erneut weitere Fragen aufzuwerfen.

Im Zentrum der Erzählung stehen zwei Kinder von 12 Jahren (eines von ihnen schon ein klein wenig länger…), die unterschiedlicher nicht sein könnten:

Oskar lebt allein mit seiner berufstätigen Mutter in einer tristen Plattenbausiedlung eines Stockholmer Vorortes, is(s)t häufig allein und ein wenig übergewichtig. Sein Vater, ein Quartalstrinker, kann ihm keine Vaterfigur sein. In der Schule wird er von Mitschülern gequält und gedemütigt; ein “Pinkelball” ist sein ständiger Begleiter.

Eli bezieht bei Nacht mit dem älteren Håkan die Nachbarwohnung, verlässt nur nach Anbruch der Dämmerung das Haus und scheint viele Geheimnisse zu haben. Sie spührt keine Kälte, ihr Haar ist eigenartig verklebt, die Kleidung schmutzig und sie riecht nach Verwesung.

Beide lernen einander kennen und stellen fest, dass sie trotz aller Unterschiedlichkeit eines verbindet: Das Töten. Hier stehen sich gewalttätige Rachefantasien Oskars und reale, vom Überlebenstrieb gesteuerte Tötungen durch Eli gegenüber. Während beide zunächst das Leben des jeweils Anderen beneiden, entwickelt sich da, wo zuvor nicht einmal Freundschaft Platz haben durfte, sogar so etwas wie Liebe zwischen ihnen.

Im Verlauf der Geschichte, die aus den ständig wechselnden Perspektiven einiger Einwohner des Vorortes erzählt wird, werden menschliche Abgründe zu Tage befördert. Hörigkeit, Einsamkeit, Sucht, Pädophilie, Missbrauch, Rache, Angst und Gewalt. Aber auch Sehnsucht nach einem Leben (und Lieben) fernab der allgegenwärtigen, krank machenden Vorstadt-Tristesse im Schweden der frühen 80er Jahre.

Was im Film Platz findet, ist nur ein kleiner Teil dessen, was im Buch behandelt wird. Meine Vermutung ist die, dass sich das künftige US-Remake “Let Me In” (das ohnehin fragwürdig ist) ganz Hollywood-konform eher der brutalen Seite der Geschichte annehmen und dies bildgewaltig umsetzen wird. Die eher langsam sowie leise erzählte Version von Tomas Alfredson funktioniert fernab moderner Vampir-Klischees und hinterlässt dennoch oder gerade aus diesem Grund deutliche Spuren im Schnee.

  1. Einen Knicks Richtung ausschlaggebenden Blogger []

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Vom Wunsch und der Peinlichkeit Kinderbücher zu kaufen

Posted on Mai 17th, 2008 by Chlorine.
Categories: Finderlohn, Lesen!.

Ja, auch ich verlasse hin und wieder (eher wider) den Platz vor meiner Höllenmaschine, um außerhalb meiner 21 Wände frische Luft an meine geschundenen Lungenflügel zu lassen.

Ab und an führt mich mein Weg über Stock und Stein zum Konsumtempel Nr. 1 der Stadt, genauer gesagt in einen seiner Buchläden.

Und während ich das letzte Mal so herumstromerte, meine Blicke schweifen ließ, bremsten selbige plötzlich abrubt ab und zoomten inmitten zig Harry Potheads und “Meine ersten Schritte”-Mappen auf folgendes Kinder- und Jugendbuch:

rittzudritt.jpg

Ich denke, der Titel “Ritt zu dritt” muss von mir nicht weiter kommentiert werden.

Stark zurücknehmen musste ich mich jedoch, beim beigefügten Klein-Mädchen-Abziehbildchen in Schmetterlingsform keine langen Finger zu machen. ;)

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Meine Kellerleiche hat ‘ne Wespentaille…

Posted on Februar 9th, 2008 by Chlorine.
Categories: Finderlohn, Ich! Klage! An!, Lesen!.

Ein Besuch in der Heimat fördert manchmal Gruseliges zu Tage:

Bisweilen auch Geister aus der Vergangenheit.

Da finden sich noch Unmengen an alten Büchern im Schrank, die ich teilweise heute nochmals lesen wollen würde.

Rein farblich stach mir eines besonders ins Auge:

barbiebuch.jpg

“Barbie und der Maskenball”…mein Gott, der darauf folgende Flashback hatte sich gewaschen, das kann ich euch sagen!

Noch flashback-geplättet blätterte ich in dem guten Stück.

Was da meine empfindsame Netzhaut berührte, war harter Tobak…

Ein paar Einblicke gefällig?

Zunächst ist da also eine Beschreibung der handelnden Personen:

Barbie “ist nicht nur wunderschön, sondern auch richtig nett. Sie weiß, was sie will, ist freundlich, hilfsbereit und stets gut gelaunt. Jeder mag sie deshalb gern. Sie hat eine traumhafte Figur und liebt schicke Kleider über alles. Am liebsten in Pink, ihrer Lieblingsfarbe. Ihr langes, blondes Haar lässt sich zu herrlichen Frisuren kämmen. Barbie lebt zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Skipper im zauberhaft eingerichteten Stadthaus. Den Sommer verbringen die beiden aber auch gern in ihrem Landhaus”.

Ken “ist Barbies liebster und allerbester Freund [...] ein großer, gutaussehender Mann mit einer sportlichen Figur. Wo Barbie und Ken auch auftauchen, folgen bewundernde Blicke dem schönen Paar”…

Skipper “ist Barbies jüngere Schwester und nicht weniger schön. Auch sie mag hübsche Kleider und bummelt gern mit Barbie durch die Boutiquen”…

Dann gibt es da diese Szene, wo der flotte Dreier Zweier am reich gedeckten Frühstückstisch sitzt und es heißt: “Zur Vorsicht hat Barbie ein paar Eier und einige Streifen [gebackenen] Schinken mehr genommen. Es kann sein, daß Ken vorbeikommt, bevor er ins Fitness-Studio geht.”

So weit, so traumhaft. Gerede über Kostüme und venezianischen Maskenball…blah…

Im Folgenden steht Ken vom Tisch auf und sagt: “Danke für das exzellente Frühstück. Aber jetzt muss ich mir die Kalorien wieder abstrampeln.”

Und gleich darauf der (tiefes Kramen im Deutsch-LK) auktoriale Erzähler: “Natürlich meint er das nicht ernst. Ken ist groß, schlank und hat nicht ein Gramm Fett am Körper. Dafür aber gut ausgebildete Muskeln, denn er ist sehr sportlich.”

Und spätestens jetzt hatte ich genug von diesem Schund. icon_error.gif

Was ist das??

“Magazin für die stylische, aber dennoch häusliche Karrierefrau von heute” meets “Metro-Mens Health”??

Ich habe nicht vor, mich mit Mattel anzulegen.
Gegenteiltag versus Tri-Billion-Dollar-Konzern…das geht nicht gut.
Genügend nachlesbare Kritik am durch das Spielzeug vermittelten Frauenbild gibt es ohnehin.

Dass aber auch der liebe Ken bereits 1989 unter starkem gesellschaftlichem Druck sein äußeres Erscheinungsbild betreffend stand, war mir neu.

Bloß gut, dass ich durch meine Kleinmädchenzeit mit Barbie gelernt habe, welche Werte im Leben wirklich von Bedeutung sind…icon_furz.gif

Dann vielleicht lieber die arabische Alternative Fulla in der Gebets-Version mit Teppich und all dem Schnickschnack??

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Ganz normal gemittwocht

Posted on Januar 23rd, 2008 by Chlorine.
Categories: Lach-&Sachgeschichten, Leben und sterben lassen, Lesen!, Stadt Land Fluss.

  • Schwindelig aus dem Bett gekrochen kommen
  • Im Bad versuchen zu retten, was zu retten ist
  • Straßenbahn verpassen (kurze Überlegung Kristian M. zu beschuldigen, aber als unfair verworfen)
  • Pflegen sozialer Kontakte in der Mensa
  • Kontakt mit 1.Person, die aufgeregt zu berichten weiß, dass Heather (!) Ledger das Zeitliche gesegnet hat
  • Ausspruch des Gedanken, dass ich froh bin, dass “The Dark Knight” bereits abgedreht ist
  • Asiawoche verspricht ein buntes Allerlei
  • Mensafrau macht offenbar bei gleichem Essen Befüllunterschiede zwischen beiden Geschlechtern
  • Gerade noch gebremst werden, ein Fass zu öffnen
  • Sichtkontakt mit einem geschätzten Blogger der Stadt
  • Kopfschütteln über eine dieser extrem nervigen, aufgerüschten “Ich mach’ Promotion, Baby!”-Tussen mit einer Stimme, die Miss Feldbusch Pod Poth alt aussehen lässt
  • Sonnenbad mit kalkweißer Haut Porzellanteint auf dem Mensavorplatz
  • Besuch des Hortes des Wissens, sprich: der Bibliothek
  • Völlig überzogene Ermahnung eines dieser Psycho-Mädels wegen eines Lachens (welches sie beim Lesen eines Inhaltsverzeichnisses (!) extremst behinderte)
  • Schmökern in der Lieblingsliteratur:
  • das-bose-ist-eine-frau.jpg
  • Schweißgebadet haufenweise Geld in einen vertrauenswürdigen Automaten stecken, um ein weiteres Semester an der Uni zu sichern
  • In der Drogerie verstohlen gefragt werden, wo denn das Mundwasser steht
  • Am Telefon: Kontakt mit 2.Person, die zu berichten weiß, dass Heath Ledger das Zeitliche gesegnet hat
  • Am Telefon: Kontakt mit 3.Person, die zu berichten weiß, dass Heath Ledger das Zeitliche gesegnet hat
  • Herzliches Vertragen feiern und 25min von Boston Legal verpassen
  • Am Telefon: Kontakt mit 4.Person, die zu berichten weiß, dass Heath Ledger das Zeitliche gesegnet hat
  • Hierzu der Dialog:
  • Sie: “Ja, und der hatte ja ein Kind und war zusammen mit…naja, ich war ja nie in ihn verliebt, aber…und naja…aber…blah…ich freu mich schon auf Dark Knight und…blah…”
  • Er: “Na mal sehen, was Bush morgen dazu sagt!”
  • Sie: “Hä, wie, was, wieso, hab ich schon wieder was verpasst!?”
  • Er: “Na, er ist doch Bushs ungeborener Sohn!”
  • Am Schluss steht die Gewissheit, dass es sich über Dämlichkeiten immer noch am schönsten lacht icon_rolleyes.gif

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