Mit Lichtgeschwindigkeit…

Posted on Oktober 12th, 2010 by Chlorine.
Categories: Lach-&Sachgeschichten.

Zugegeben, der Nerd in mir steht ein wenig auf Briefmarken. Schockierend, gewiss. Freilich sammele ich sie nicht. Was mich aber zum Alptraum einer jeden Postschalterbeamtin macht, ist die Tatsache, dass ich nie mit den Marken zufrieden bin, die man mir offeriert. Natürlich haben sie fast immer noch rare Stücke, die wesentlich mehr auf einem Briefumschlag hermachen, unter der Ladentheke. Mir ist schleierhaft, für wen sie die aufbewaren. Für den Bürgermeister? Den Radioactive Man? Dem sollte wirklich mal jemand nachgehen.

Heute stand ich mal wieder Schlange in der Post und vor mir wiederum eine kleine alte Dame, die mir äußerst positiv ins Auge fiel, da sie nicht in dieses lebensverneinende Seniorenbeige/grau gehüllt war. Beim zweiten Blick hätte ich sie dann aber doch gerne gefragt, welcher Spaßvogel ihr diese lindgrüne Jacke verpasst hat, auf deren Rücken zwei Worte standen: DOUBLE SPEED

An diesem überlaufenen Ort den Rücken einer alten Dame mit dem Handy zu fotografieren - zumal das Auslöse-Geräusch nicht stumm zu schalten ist - war mir dann doch zu heikel.

Als Versuch einer Entschädigung kredenze ich euch nun die einzige Briefmarke, die ich nie verschicken werde:

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Meine erste Küche oder: An Aufgaben wachsen…

Posted on Oktober 2nd, 2010 by Chlorine.
Categories: Lach-&Sachgeschichten.

Ein Schrank von einem Kerl reiht sich wortlos in die wartende Schlange ein. Breitbeinig steht er da in seinen grellen Turnschuhen und den geschmacklosen Klamotten, die ihn unter seinesgleichen sicher zum ganz großen Wurf machen. Dazu raspelkurzes Haar. An seinem Hals prangt ein nicht zu übersehendes Tattoo. Ein Adler. Zu seinen Füßen steht ein mittelgroßer Karton. Überall rosafarbene Motive und mit der Aufschrift versehen: “My First Kitchen”.
Eventuell eine Projektaufgabe, die ihm sein Bewährungshelfer gestellt hat? Innerlich breit grinsend wünsche ich ihm viel Erfolg bei der Bewältigung seines Vorhabens.

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Konsum schwer gemacht

Posted on Juni 28th, 2009 by Chlorine.
Categories: Lach-&Sachgeschichten.

Neue Kameras erfordern manchmal neue Kamerataschen. Kein Klopper, etwas dünnes, möglichst preiswertes sollte es sein. In den Laden gehe ich erst, wenn alle anderen Wege fehlgeschlagen sind, denke ich zuversichtlich. Vor dem Regal wirst du ohnehin sofort wieder von so einem schmierigen Hemdsärmling angesprungen, der nach einem “Beratungsgespräch” dürstet. So suche ich online und finde: passend für *Modell xy*, Magnetverschluss, Seitentasche, Farbe: schwarz, Material: Leder, 40g… und folgende Notiz:

Donnerwetter, was die kleinen Dinger heute draufhaben! Vielleicht könnte ich da demnächst von najagehtso-schwarzem auf pechschwarzes Leder upgraden. Oder gar am Geruch drehen. Aus dem Magnetverschluss könnte im Nu eine Waffe werden… Grund genug, die Finger davon zu lassen. Die Sache ist mir dann doch etwas zu heiß.

***

Auf der Suche nach einer Sonnenbrille sprang mich dann ein spaßiges Fenster an, aus dem ich partout nicht schlau wurde:

Doch offline einkaufen zu gehen, ist nicht weniger verwirrend. Im Fall der Fälle, nämlich dann, wenn wirklich mal Hilfe samt Rat und unter Umständen auch Tat benötigt wird, hörst du nur noch ein aufgeregtes Rascheln zwischen den Regalen und meinst plötzlich, mehr Schaufenster-/Ankleidepuppen als zuvor zu sehen und niemand fühlt sich mehr zuständig. Täuschend echt auch folgende Mimikry:

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Verwählt?

Posted on Juni 7th, 2009 by Chlorine.
Categories: Lach-&Sachgeschichten.

Zahlwahltag. Auf dem Rad muss mir irgendwas ins rechte Auge geflogen sein. Jedenfalls habe ich einen dunklen Störenfried vor der Linse, der mich wahnsinnig macht, weil er gekommen ist, um zu bleiben. Schon bald erscheint das vermeintlich erlösende Wort “Wahllokal” auf dem Radar, doch das kann es nicht sein. Oder doch? Ich fahre weiter, da Google Earth und der Stadtplan beide im Vorfeld etwas anderes gesagt haben. Doch da bin ich auch schon zu weit. Kehre wieder um. Eine Menge Leute unterwegs. Wie ist das möglich? Die wollen doch nicht etwa eines ihrer Grundrechte wahrnehmen? Ich halte vor dem Gebäude und glaube immer noch nicht, dass dies mein Bestimmungsort ist. Antwort auf diese und weitere Fragen gibt die Wahlbenachrichtigung. Falsche Nummer. Wusste ichs doch! Wieder aufs Rad, trotz Augenwischerei immernoch auf dem rechten Auge blind sehbeeinträchtigt. Wenig später das richtige Lokal gefunden, hinein und erst einmal Schlange stehen. Premiere!
Hier wird man gar nicht gefragt, ob man die Kommunal- und/oder Europawahlunterlagen möchte, sondern bekommt gleich beide Flachbäume in die Hand gedrückt. Stellte man die Wähler vor diese Wahl, so wäre es sicher auch wenig klug.

Mir ist bis heute nicht klar, was es so spannend macht, gleich danach andere anzurufen und zu fragen, was bei ihnen abgelaufen ist. Doch so teilt man Erlebnisse (und unterschiedlichste Erfahrungen mit dem Wahl-O-Mat) auf große Distanzen.
So erfahre ich auch, dass sich am anderen Ende der Republik eine junge Frau die Hand im Wahlurnenschlitz geklemmt hat. Wollte entweder auf Nummer Sicher gehen oder hatte sich verwählt und versuchte, das nahende Unheil aufzuhalten…

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Gesichtsspeiche

Posted on März 24th, 2009 by Chlorine.
Categories: Lach-&Sachgeschichten, Mein Körper und ich.

Ich hätte heute gar nicht erst aufstehen sollen. Aufgerüscht gings ab aufs Rad und hinein in den Orkan. So schlau gewesen, einen neuen Weg auszuprobieren, der sich natürlich als sehr viel länger herausstellte und somit schon mal zu spät gekommen. Sitznachbar bemerkt äußerst treffend: “Chlorine, du siehst fertig aus!” …weitere Stimmen schließen sich an. Schönheitskönigin wird dann heute wohl eine andere.

Ich fühle mich unwohl; irgendetwas stimmt nicht. Ich gehe die einzelnen Etappen meiner Morgentoilette durch und…

…was ist mit Deo? Vergessen!

Die folgenden 90 Minuten kann ich an nichts anderes mehr denken, als mein schier unverzeihliches Versäumnis. Alles andere ist nur Hintergrundrauschen. Spaßig dann, wenn man aufgefordert wird, sich zu einem Thema zu äußern…

Jemand (hier ohne Namen) lässt mich wissen, er habe einen Pickel auf dem Kopf …wieso nur, WIESO?? Erwecke ich etwa den Eindruck, mir solche Ferkeleien mit Vorliebe anzuhören und vielleicht noch die dazu passende Tinktur im Turnbeutel Samtbeutelchen zu haben? Ich denke nicht.

In der Pause versuche ich, mich an das einzig vielversprechende Mädel heranzupirschen, um nach einem Duft zu fragen. Sie redet. Und redet. Hört nicht auf zu reden. Die Unendlichkeit endet definitiv vorher.

Weitere 90 Minuten bin ich gehemmt, wie ein Schulmädchen mit Zahnspange. Versuche mir einzureden, dass mein bike-gestützter Kampf gegen Wind, Wetter und mangelnde Fitness die morgendliche Dusche nicht zunichte machen könne. Doch was, wenn doch und ich allmählich beginne, den Duft eines abgeranzten Sofas an meine Umwelt abzugeben!? Das würde mich gesellschaftlich unmöglich machen.

Die nächste Pause ist fast vorüber und ich trete mir selbst in den Hintern fasse mir ein Herz, das längst fällige Frauengespräch zu führen.

Und HALLELUJA! Sie hört mein Flehen, greift beherzt in ihre Tasche und überreicht das in diesem Moment wichtigste Gut in meinem kleinen Leben.

Und wenn sie nicht gestorben sind… natürlich ging die Geschichte weiter, denn der Tag war noch lange nicht zu Ende. Jedoch überschattete der Blick auf den Kontoauszug meines Vertrauens alles bisher da gewesene.

Mein Gesicht muss in etwa so ausgesehen haben:1

  1. Womit der Kreis zum Beginn der Geschichte geschlossen sein dürfte… []

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Komplimente, die runtergehen wie Bratfett…Teil 2

Posted on Februar 12th, 2009 by Chlorine.
Categories: Lach-&Sachgeschichten.

Komplimente auszuhalten, will gelernt sein. Dieser Tage war ich sogar gezwungen, unter professioneller Aufsicht ein Kompliment an den Mann zu bringen. Als Folge dessen war ich besorgt, unangemessen gehandelt zu haben.1

Komplimente auszusenden ist demnach nicht weniger schwierig, wie die zweite Charge mir zu Teil gewordener verbaler Liebkosungen recht anschaulich zeigt:

Rückschau: Komplimente 1-4

Kompliment Nr. 5:

“Du bist manchmal ne Splittergranate!”

Kompliment Nr. 6:

Er: “Chlorine, du bist eigentlich…”
Ich: “Na komm, sags!”
Er: “…ach, eigentlich nichts besonderes.”

Kompliment Nr. 7:

“Du hast ‘ne Lache wie ‘n Wasserfall!”

Kompliment Nr. 8:

“Chlorine, mal nochn Tipp: versuch mal, nicht gleich am Freitag mit ‘nem Witz aufzutrumpfen!”

  1. Das war dann auch der Moment, in dem es zwei Dinge zu lernen galt: Erstens sollten Aufgabenstellungen ausreichend verstanden sein und zweitens sind “die Guten” sowieso immer schon vergeben. []

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